Riesling

Der Name

Die Bezeichnung geht vermutlich auf die Neigung der Sorte zum Verrieseln zurück. Möglicherweise stammt er aber auch von der "reißenden" Säure des Weines oder vom Wort "Rusling", wegen des dunklen Stammes. Ampelographisch korrekt ist die Bezeichnung Weißer Riesling. Im badischen wird der Riesling auch oft Klingelberger genannt. Hören Sie jedoch die Bezeichnung "Frankenriesling" oder "Mainriesling" ist jedoch der Grüne Silvaner gemeint, der Welschriesling ist eine weniger aromatische, mit dem Riesling nicht identische Rebe die vor allem in Österreich vorkommt und vermutlich aus dem südosteuropäischen Raum stammt. Hinter dem Schwarzriesling verbirgt sich die Rotweinsorte Pinot Meunier, einen engen Verwandten des Blauen Spätburgunders. Wird in Deutschland selten angebaut. Liefert samtige Rotweine und ist eine der drei zugelassenen Champagnerreben

Aussehen

Blatt ist mittelgroß, fünflappig, stumpf gezahnt und wirkt meist blasig. Die Trauben sind mittelgroß, wachsen dicht beieinander und sind im reifen Zustand goldgelb und mit grünlichen Adern durchzogen. Das Holz ist dunkel und hat eine kräftige Struktur.

Besonderheit

Der Riesling wurde nicht von den Römern nach Deutschland gebracht (ebenso der Elbling), sondern vermutlich von den Germanen vor 2000 Jahren aus einer heimischen Wildrebe domestiziert.

Anbau

Der Riesling wächst in unterschiedlichen Anteilen in allen deutschen Anbaugebieten und nimmt hier 23.000 ha in Anspruch. Das ist ¼ der gesamten Fläche!

Die meisten Rieslingreben stehen an der Mosel, Saar und Ruwer (6200 ha). Hier wachsen die filigransten, feinsten und duftigsten Rieslinge, die in ihrer Jugend oft eine stahlige Säure besitzen. Saftige, kräftige Rieslinge stehen in der Pfalz (4900 ha), danach folgt mit 2600 ha Rheinhessen, vor allem Rheinfront um Nierstein und Nackenheim und um Bingen. 2500 ha Riesling stehen im Rheingau, dort nimmt es gar 80% der Rebfläche in Anspruch (dort wird er vollmundig, saftig und stahlig elegant).

Württemberg ist mit dem Rheingau flächenmäßig gleichauf. In Baden stehen 1.300 ha (die besten Ergebnisse gibt es dort im Norden um Durbach). An der Nahe stehen 1.200 ha, besonders zwischen Bad Kreuznach und Waldböckelheim wachsen absolute Spitzenweine. Am Mittelrhein und an der Hessischen Bergstraße ist der Riesling die häufigste Rebsorte, die Qualität der Weine kann herausragend sein. In Franken dominieren andere Sorten, in Spitzenlagen wie Würzburger Stein, Casteller Schlossberg oder Iphofer Julius-Echter-Berg können in guten Jahren bewundernswerte Rieslinge entstehen. In der Ahr dominieren eher rote Sorten, in Sachsen und Saale-Unstrut sind die klimatischen Bedingungen für eine regelmäßige Reife zu unsicher.

Außerhalb Deutschland gelangt der Riesling auch noch im Elsass und Österreich, hier besonders in der Wachau, Wien, Kremstal und dem Kamptal zur Vollendung. Auch in Südtirol wird noch Riesling unter Riesling Renano in guter Qualität erzeugt. Andere Gebiete wie Chile oder Argentinien liefern bedeutungslose Weine der Rieslingrebe. In Südafrika werden vielversprechende Rieslinge ausgebaut, die jedoch kaum zu uns vorgedrungen sind. In Australien gilt das Clare Valley als "das" Rieslinggebiet schlechthin. Er ist dort mit 500 ha die vorherrschende Rebe. Insgesamt stehen in Australien 3500 ha Rebland unter Riesling. Bedeutende Rieslinge kommen auch noch aus Neuseeland, dort werden nur all zu oft alte Müller - Thurgau Bestände als Riesling etikettiert. Aber gerade aus Marlborough kommen mittlerweile herausragende, echte Rieslinge, die teilweise mit den Weinen aus D, A und F mithalten können. Allerdings in homöopathischen Dosen.

Das Klima

In Deutschland findet der Riesling ideale Bedingungen. Das kühle Klima sorgt hier dafür, dass die Traube sehr langsam reift und dabei eine hohe Konzentration an Aromastoffen und Fruchtsäuren ausbildet. Der reifungsbedingte Säureabbau findet nur langsam statt, trotzdem kommt die Traube regelmäßig zur Vollreife und liefert hohe Mostgewichte.

Leider hat der Riesling keine große Toleranz gegenüber Abweichungen von den Idealbedingungen während der Reifezeit. Es muss warm genug sein, um die Traube zur Vollreife zu bringen und kühl genug, um das nicht zu schnell geschehen zu lassen. In heißerem Klima liefert der Riesling alkoholreiche, nicht sehr ausgewogene Weine.

Der Boden

Die Ansprüche in der vegetativen Phase sind relativ gering, während der Reifeperiode kann der Boden jedoch erfolgsentscheidend sein. Optimal ist dann steiniger, dunkler und dadurch wärmespeichernder Boden in Steillagen, die die Wärme fast zu 100% absorbieren können. Besonders geeignet sind also Schiefer- und Urgesteinsböden.

Geschmack

Wie bereits erwähnt, verfügt der Riesling über ein enorm breites Spektrum und eine schier unendliche Vielfalt. Signifikant ist sein harmonisches Säurespiel. In der Jugend hat der typische Rieslingwein eine blassgelbe, gelegentlich ins grünliche gehende Farbe, mit zunehmendem Alter wird die Farbe intensiver, bis er voll ausgereift in sattem, üppigen Gold schimmert.

Im Duft dominiert beim jungen Riesling der Apfelton, bei zunehmender Reife erkennen wir den oft beschriebenen Pfirsichduft. Bei Weinen aus der Neuen Welt findet man hingegen eher die Limonennote.

Bei Rieslingen, die auf Schieferböden wuchsen, schmeckt man oft die als stahlig bezeichnete Säure, die, um rund zu wirken im mittleren Alter unbedingt eine dezent gehaltene Restsüße braucht. Die mineralische Note des Rieslings von Schieferböden bezeichnet man oft als Petrolnote. Einfachere Weine können schon jung getrunken werden und sind der ideale Sommerwein. Flaschenreife schadet aber auch den eher einfachen Rieslingen nicht. Gute Jahrgänge sind fast uneingeschränkt haltbar.

Zweifellos die Spitze des deutschen Weinolymps bieten die süßen Riesling-Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eisweine, die zu den teuersten Weinen überhaupt gehören. Kenner behaupten, dass nur Süßweine aus Österreich diese ausgezeichneten Produkte noch toppen können. Aus strategischen Gründen wird diese Diskussion an dieser Stelle abgebrochen.

Zahlreiche deutsche Sekthersteller verwenden diesen Wein zur Weiterverarbeitung zu Schaumweinen.